St. Valentin in der Kreidezeit

von Tobias Lehner/Jakob Hunger (NMS Schubertviertel)

Vor nicht allzu langer Zeit waren wir in einer regnerischen Nacht in St. Valentin unterwegs. Die Kirche war zufällig offen. Wir schlichen zum Eingang und schielten vorsichtig hinein. Das Licht war an, aber wir sahen niemanden. Wir gingen hinein und spähten vorsichtig um jede Ecke. Es war niemand da. Am Ende eines Seitengangs war eine dicke Tür, die nur angelehnt war. Als wir hindurch gingen, war vor uns eine lange Treppe, die kein Ende zu haben schien. Langsam gingen wir die knarrende Treppe hinunter. Wir bogen unzählige Male ab, bis wir schließlich ganz unten angekommen waren.

Es war ein enger Gang, wo einer hinter dem anderen gehen musste. Die Luft war stickig und an der Wand hingen Fackeln, die nur schwach flackerten. Nach einer Zeit in der gruseligen Gruft unter St. Valentin hörte der Weg einfach auf und vor unseren Füßen war ein tiefes Loch, das blau schimmerte. Mein Freund Tim drängelte sich an mir vorbei und beugte sich über das komische Loch. Er sagte: „Hey Jonas, was glaubst du, was das hier sein könnte?“ „Ich weiß nicht“, sagte ich, „vielleicht eine alte Mine“. „Hier in St. Valentin?“, fragte Tim, „wenn ja, dann habe ich noch nie davon gehört.“ Zustimmend nickte ich. „Wollen wir mal runter und nachgucken?“, fragte Tim. Mutig, aber auch zugleich ängstlich, sagte ich: „ja.“

Tim sprang in das blau schimmernde Loch und war nicht mehr zu sehen. Besorgt rief ich nach ihm, aber keine Antwort kam zurück. Ich kniff die Augen zusammen und sprang, ebenfalls ohne zu überlegen, in das blau schimmernde Loch, danach war mir schwarz vor Augen. Als ich wieder zu mir kam, schienen helle Sonnenstrahlen von der Decke herein. Rund um mich war alles bewachsen und die Luft war ziemlich feucht. Es schien mir so, als wäre ich in eine Höhle gestürzt, aber wie konnte das sein? Es war doch gerade eben noch Nacht gewesen? Mit aller Mühe raffte ich mich auf und suchte den Ausgang. Als ich endlich aus der Höhle rausfand, war am Eingang Tim, der wie angewurzelt da stand. Ich sagte: „Huu, bin ich froh, dich gefunden zu haben.“ Aber er stand nur mit offenem Mund da.

Langsam zeigte er mit dem Finger vor sich hin. Mein Blick schweifte zu der Stelle. Ich erblickte einen saftig gründen Baum und daneben einen riesigen Kopf, der von dem Baum aß. Mit offenem Mund stotterte ich: „Ist das, ist das eiein?“ „Ja“, fiel Tim mir ins Wort, „ein Dinosaurier.“ „Anscheinend sind wir in die Vergangenheit gereist“, vermutete ich. „Ja, anscheinend sind wir ungefähr zweihundert Millionen Jahre in die Vergangenheit gereist“, stimmt Tim mir zu. Plötzlich überkam es mich, nach einem kurzen Moment der Freude verspürte ich große Angst. Ängstlich fragte ich: „Wie kommen wir wieder zurück?“ Tim zuckte mit den Schultern.

Ich blickte über das Land, soweit meine Augen reichten, es war eine herrliche Landschaft mit vielen Bäumen, Bächen, Bergen und vielen unterschiedlichen Dinosauriern. „Dort drüben!“, schrie ich, „dort schimmert etwas blau, vielleicht ist das auch ein Portal?“ „Kann gut sein“, antwortete Tim. „Dann lass uns gehen“, drängte ich. Tim schüttelte den Kopf, er sagte: „Es wird bald dunkel und im Dunkeln sehen wir nichts. Außerdem jagen uns dann die großen fleischfressenden Dinosaurier“. Zustimmend nickte ich. „Wir sollten ein Feuer machen“, sagten wir beide zugleich. Wir sammelten trockenes Holz und getrocknete Farne. Zum Glück hatte Tim sein Taschenmesser dabei und wenn er es gegen einen Stein schlug, entstanden Funken, so entfachten wir ein Feuer.

In der Nacht kamen einige Tiere, die von dem Feuer angelockt wurden. Zum Glück waren es aber nur ungefährliche Tiere wie Eidechsen oder andere Kleintiere. Eine kleine Baby-Eidechse legte sich auf meinen Schoß und war sehr anhänglich. Beruhigend streichelte ich ihren Rücken. Am nächsten Tag machten wir uns bereit zu dem blauen Schimmern zu gehen. Wir kletterten den Vorsprung hinab. Als wir unten angekommen waren, stand vor uns ein riesiger Fuß, der wohl einem der Pflanzenfresser gehörte. Langsam schlichen wir vorbei und betraten den dunklen Regenwald. Die drückende Hitze und das feuchte hohe Gras machten die Lage nicht besser. Nach einer Weile blieben wir plötzlich stehen. Wir zitterten am ganzen Körper, vor Angst hielten wir uns den Mund zu, um nicht laut zu schreien. Vor uns lag ein toter Dinosaurier, der gerade von einem großen und furchteinflößenden Dinosaurier zerfleischt wurde. Langsam schlichen wir zurück, ich zitterte am ganzen Körper. Plötzlich knackte etwas laut, ich sah zu Tim hinüber und sah, wie sich sein Gesicht verzog. Dann kam ein lautes Brüllen.

Wir liefen, so schnell wir konnten, aber das Gebrüll kam immer näher. Wir bogen so oft ab, bis wir nicht einmal mehr wussten, wo wir hergekommen waren und plötzlich standen wir vor einer Sackgasse. Als wir uns umdrehen wollten, stand der Dinosaurier vor uns. In Todesangst schlossen wir die Augen. Vor uns trampelte eine Herde von Kamm-Dinosauriern. Die Verwirrung nutzten wir um zu fliehen und erreichten kurz darauf eine offene Fläche.
Wir sahen, dass die Sonne bald untergehen würde, was wir aber auch sahen, war, dass wir schon ziemlich nahe an den Bergen waren. Wir gingen noch bis zum Anfang des Waldes und kletterten auf den erstbesten Baum, um uns auszuruhen.

Erst beim Anbruch der Dunkelheit bemerkte ich, dass mit uns jemand oder etwas mitgereist war. Aus meinem Rucksack krabbelte die Baby-Eidechse heraus. Ohne zu zögern nahm ich sie auf meinen Schoß und streichelte ihr sanft über den Rücken, dabei gähnte sie leise und schlief ein. „Das war ja heute was“, sagte Tim mit einem Grinsen im Gesicht. „Ja“, sagte ich, „ich glaube, das war ein T-Rex“. „Bestimmt“, sagt Tim. „Also wären wir die ersten Menschen die einem T-Rex entkommen sind.“ „Ja“, antwortete ich und wir grinsten beide. Am nächsten Tag setzte ich die kleine Eidechse auf meine Schulter und wir gingen weiter. „Wenn wir nur wüssten, was uns heute noch erwartet“ dachte ich.

Am frühen Vormittag war es heißer als am vorherigen Tag. Ich war überglücklich, dass wenige Meter vor uns ein kleiner Bach war. Wir alle haben viel getrunken auch die kleine Eidechse. Als wir am Fuße des Berges angekommen waren, sahen wir viele Tiere, von groß bis klein, die im Schatten des Berges genüsslich fraßen. Plötzlich wurde der Himmel dunkler und dunkler, die Tiere waren besorgt und ängstlich. Sie stürmten in alle Richtungen davon.
Auch die kleine Eidechse zitterte. Ich und Tim dachten uns nichts dabei, das war ein großer Fehler. Wir begannen den Aufstieg.

Plötzlich kam ein lauter Donner und ein glühender Feuerball schlug auf der Erde auf. Es gab eine gewaltige Druckwelle. Tim rutschte mit den Bienen vom Berg, er konnte sich gerade noch halten. Es donnerte erneut und ein weiterer Feuerball schlug auf der Erde ein. Das wiederholte sich immer und immer wieder, nur die Abstände wurden immer kürzer. Plötzlich schlug ein riesiger Feuerball neben mir ein und ich fiel hinunter. Ich hörte Tim noch meinen Namen rufen. Tim wusste, dass er weiter musste. Mit Tränen verschmierten Augen kam er am Gipfel an. Von der Ferne sah er das blaue Licht schimmern. Er wollte gerade weglaufen, als ihn etwas von hinten packte und in die Lüfte riss.

Er wurde in ein Nest geworfen, das voll kleiner Vögel war. Zu seiner Begeisterung sah er mich mit der Eidechse in der Hand nebenan liegen. Ich flüsterte zu ihm: „Wir müssen unbedingt zum Portal, sonst sind wir alle tot.“ Damit hatte ich leider Recht, denn die Welt der Dinosaurier wurde von einem Asteroiden ausgelöscht. Neben mir knackte etwas und plötzlich kam das Knacken von überall. Es schlüpften überall lauter kleine Flugdinosaurier, hastig begannen sie sich auf uns zu stürzen, denn sie hatten Hunger. Wir versuchten uns zu wehren, aber sie waren zu viele, sie pickten, zerrten, kratzten und bissen überall an uns. „Unter diesem Nest ist das Portal!“, schrie ich. „Ob wir das überleben?“, fragte ich. „Ich habe keine Ahnung“, antwortete Tim, „haben wir eine Wahl?“

„Nein“, schrie ich. Im selben Moment rafften wir uns auf und machten uns sprungbereit. „Du zuerst“ schrie ich. Er sprang und die Vögel fielen mit ihm hinunter. Als Tim verschwunden war, sprang ich hinterher. Ehe ich das Portal berührte, hörte ich einen lauten Knall und eine riesige Feuerwelle kam auf mich zu, dann wurde mir wieder schwarz vor Augen. Ich fand mich auf einem Maisfeld wieder. Es war dunkel und es regnete. Ich war froh wieder zuhause zu sein, aber sich sollte ich das mit den Abschürfungen und den zerrissenen Klamotten erklären? Aber egal, ich hatte großen Hunger und war müde. Erst später bemerkte ich, dass ich die Eidechse mitgenommen hatte. Ich streichelte sie und setzte sie wieder auf meine Schulter. Glücklich gingen Tim und ich wieder nach Hause und redeten über das Geschehene.

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